Einen Aufzug nachrüsten

Ein Aufzug gehört mittlerweile zur Standardausstattung vieler Mehrfamilienhäuser, auch wenn bei einem Großteil der Bauten in Deutschland noch Nachholbedarf besteht. Er trägt erheblich zur Steigerung des Wohnwertes bei, da schwere und sperrige Lasten – Einkaufstüten, Sprudelkisten oder Kinderwägen beispielsweise – fortan nicht mehr mühselig die Treppe hinaufgetragen werden müssen. Wer bei seinem Gebäude Modernisierungsbedarf sieht, kann heutzutage schnell und meist auch recht günstig einen neuen Aufzug einbauen lassen oder das bestehende Modell auf den aktuellen technischen Stand bringen bzw. einen Aufzug einfach nachrüsten.

Einen Aufzug einfach nachrüsten

Bestandteile eines Personenaufzugs

Ein Personenaufzug ist für sich betrachtet eine recht komplexe Anlage. Damit man sich ein besseres Bild der einzelnen Komponenten machen kann, haben wir die wichtigsten Bestandteile einer Aufzugsanlage dargestellt. Ob es sich lohnt, einen bestehenden Aufzug zu modernisieren oder einen neuen Aufzug zu installieren, muss im Einzelfall geklärt werden.

1. Antrieb des Aufzugs

Der Antrieb bei einem Seilaufzug besteht aus dem Tragseil mit Gegengewicht, den Bremsen sowie einem Maschinenraum plus

Aufzugsschacht. Sollten Sie sich für einen neuen Aufzug entscheiden, ergeben sich folgende Vorteile:

  • Bessere Raumnutzung bzw. Platzeinsparung
  • Weniger Geräuschbelastung durch bessere Dämmmaßnahmen
  • Effizientere Auslastung durch moderne Steuerung
  • Mehr Sicherheit

 

2. Aufzugssteuerung & Elektrik

Ein moderner Aufzug überzeugt nicht zuletzt durch eine ausgeklügelte elektrische Steuerung und die damit einhergehende Sicherheit sowie Komfort. Durch die modernisierung der Steuerung und Elektrik ergeben sich folgende Vorteile:

  • Verringerung der Unfallgefahr
  • Bessere Steuerung des Verkehrsflusses
  • Höhere Energieeffizienz
  • Sanfte Beschleunigung und softes Bremsen des Aufzugs
  • Bessere Fehler- und Störanalyse

 3. Aufzug-Kabine

  • Behindertengerechte Ausstattung nach Norm ( EN 81-70)
  • Modernes, digitales Display (hauptsächlich in öffentlichen Gebäuden & Bürogebäuden)
  • Ansprechendes Erscheinungsbild

4. Türen

  • Hohe Sicherheit durch integrierte Fotozellen bzw. Lichtschranken
  • Nahezu geräuschloses Öffnen und Schließen der Aufzugstüren
  • Weniger störanfällig durch moderne Steuertechnik

Treppenauge oder Schachtgerüst an der Fassade?

Bei der Nachrüstung stehen Hausbesitzern zwei Möglichkeiten offen. Zum einen können sie den Aufzug in das Treppenhaus im inneren des Gebäudes integrieren. Die Integrierung einer Aufzuganlage beispielsweise in das Treppenauge geradläufiger Treppen nutzt vorhandenen Platz sinnvoll aus und spart wertvolle Zeit.

Statt auf jeder Etage die Decke durchbrechen zu müssen, wird im Treppenauge ein Stahlgerüst aufgestellt, das lediglich an den Etagen direkt mit dem Gebäude verbunden wird. Dies führt zu einer nur sehr geringen Beeinflussung der Statik des gesamten Bauwerks. Moderne Aufzugssysteme sind mittlerweile so flexibel, dass sie auch auf Grundflächen von unter einem Quadratmeter problemlos sinnvoll integriert werden können. Selbst unter diesen extremen Bedingungen erreichen sie noch eine Traglast von bis zu 140 Kilogramm, was in der Regel ausreicht, um mindestens eine erwachsene Person zu befördern.

Falls auch oder insbesondere Rollstuhlfahrer mit dem Aufzug transportiert werden sollen, was vor allem in öffentlichen Gebäuden der Fall ist, die einen barrierefreien Zugang ermöglichen müssen, sind genaue lichte Mindestmaße bei der Konstruktion des Fahrstuhlkorbes einzuhalten. Diese werden durch die DIN 18025-1/2 Aufzug geregelt, welche auch genaue Angaben zu der Anbringung des Bedientableaus und der Haltestangen sowie den innen und außen angebrachten Bedienvorrichtungen macht.

Sollte es aus Platzgründen nicht möglich sein, eine Aufzuganlage im Inneren eines Gebäudes nachträglich einzubauen, empfiehlt sich die Installation an der Fassade des Gebäudes. Auch hierbei wird ein selbsttragendes Stahlgerüst genutzt, welches im Anschluss entweder blickdicht mit Edelstahl, Aluminium und ähnlichen Materialien oder alternativ mit Glas verkleidet werden kann, was optisch in der Regel für einen Hingucker sorgt und das Gebäude von außen deutlich moderner erscheinen lässt.

Auch diese Variante nimmt nur an den Aus- und Einstiegspunkten auf den Etagen Einfluss auf die Statik des Gebäudes, welcher in der Regel aber zu vernachlässigen ist.

Was weiterhin beachtet werden muss

Die Frage, ob die Installation eines Fahrstuhls im Inneren des Gebäudes möglich oder doch nur an der Außenfassade sinnvoll ist, ist nur eine von vielen, die man sich vor dem Einbau stellen muss. Im Zuge der Entscheidungsfindung müssen auch diese Punkte besonders beachtet werden:

  • Notwendige Größe der Kabine
  • Minimale Traglast
  • Maximale Förderhöhe
  • Zugangsmöglichkeit auf allen Etagen
  • Zugangsmöglichkeit im Außenbereich

Modernisierungsmöglichkeiten vorhandener Aufzugsanlagen

Oftmals verfügen ältere Gebäude bereits über eine bestehende Aufzuganlage, deren Modernisierung bei der Renovierung des gesamten Komplexes meist ebenfalls sinnvoll ist. Zum einen aus dem Grund, da besonders an der Fassade angebrachte Aufzüge optisch nicht mehr in das neue Erscheinungsbild passen, und zum anderen, weil modernisierte Anlagen wegen der aktuellen Technik weniger Strom benötigen und somit effizienter arbeiten.

Unbedingt in eine Bedarfsanalyse investieren

Ob man die bestehende Anlage komplett austauschen muss oder nur einige Teile ersetzt werden müssen, kann nur von einem Sachverständigen geklärt werden. In einer Bedarfsanalyse stellt dieser fest, ob sich die eingebaute Technik dahingehend optimieren lässt, dass der Personentransport zu den einzelnen Etagen schneller stattfinden kann, ob die Sicherheitseinrichtungen noch aktuellen Standards entsprechen und ob sich beim Thema Energieeffizienz noch etwas einsparen lässt.

Intelligente Technik spart bares Geld

Besonders bei der Energieeffizienz haben so gut wie alle älteren Aufzugmodelle deutliches Entwicklungspotenzial. Dies beginnt bereits beim Einsatz der richtigen Leuchtmittel. Moderne LEDs benötigen deutlich weniger Strom als alte Birnen, haben eine deutlich höhere Lebensdauer und halten ständiges An- und Abschalten problemlos aus. Über eine intelligente Standby-Automatik können neben der Beleuchtung auch die Frequenzregelung und die Steuerung so weit heruntergefahren werden, dass die gesamte Anlage in verkehrsarmen Zeiten nur rund die Hälfte der Energie benötigt.

In Gebäuden mit mehreren Fahrstuhlschächten lohnt sich der Einsatz einer intelligenten Zielwahlsteuerung. Diese koordiniert immer den nächstgelegenen Fahrstuhl zum wartenden Passagier und verhindert so Leerfahrten der Kabinen über mehrere Etagen.

Moderne Antriebsanlagen sind deutlich kleiner als ältere Modelle und können in der Regel meist direkt im Schacht installiert werden. Auf diese Art und Weise spart man sich den Wartungsraum und ein zusätzliches Verlegen von Kabeln. Dazu verursachen moderne Anlagen weniger Reibungsverlust als alte, seilbetriebene Aufzüge, wodurch der Energieverlust nochmals um rund 20% minimiert wird. Eine Modernisierung der Aufzugsanlage minimiert zudem die Ausfallzeiten, sorgt für mehr Laufruhe und ist schlussendlich deutlich sicherer für den Anwender und Wartungs- und Reinigungskräfte.

Bei Aufzügen, die mehr als 100.000 Fahrten im Jahr zurücklegen, werden mittlerweile spezielle Energierückgewinnungssysteme eingesetzt, die die durch das Bremsen entstehende Abwärme sinnvoll nutzen und in das Hausnetz einspeisen können. Die Installation eines regenerativen Antriebes lohnt sich in der Regel aber nur in öffentlichen Gebäuden und großen Bürogebäuden. Kleine bis mittelgroße Wohnanlagen erreichen meist nicht die nötige Anzahl an Fahrten, die einen Einbau wirtschaftlich sinnvoll machen.

Alle Komponenten der Aufzugsanlage überprüfen

Bei der Bedarfsanalyse werden alle Komponenten einer eingehenden Prüfung unterzogen, dazu gehören auch die Türen, Steuerungs- und Bedienelemente, Sicherheitseinrichtungen und die Kabine. Insbesondere ein Austausch der Kabinentüren kann zu einer Erhöhung der Sicherheit aller Fahrgäste beitragen. Moderne Lichtschranken erkennen in einem Bruchteil einer Sekunde, ob sich noch jemand oder etwas im Einstiegsbereich befindet, öffnen bei Bedarf selbst die Türen und senken so die Verletzungsgefahr. Durch leises Schließen wird die Lärmbelästigung für Bewohner angrenzender Wohnungen minimiert.

Steuerungs- und Bedienelemente können dahingehend optimiert werden, dass sie einerseits – wie oben bereits erwähnt – bei Nicht-Betrieb in den Standby-Modus versetzt werden und andererseits auch von Menschen im Rollstuhl noch gut erreicht werden können. Zudem senkt eine Modernisierung die Ausfallzeiten. Der Komfort der Passagiere wird durch ein sanftes An- und Abfahren gewährleistet.

Auch die Kabinen bieten zunächst ungeahntes Optimierungspotenzial. Bereits das Entfernen von alten Graffiti, Kaugummiresten und anderen Spuren des Vandalismus sorgt für ein deutlich angenehmeres Gefühl bei der Fahrt. Bei einem Austausch der gesamten Kabine kann auf die Verkleidung im Sinne der Wärmeisolation geachtet werden. Speziell bei an der Außenseite des Gebäudes angebrachten Anlagen wird so ein Wärmeverlust vermindert, der ansonsten bei jedem Öffnen der Türen entstehen würde.

Hinsichtlich der Barrierefreiheit muss auf die Vorgaben der Aufzugsrichtlinie DIN EN 81-70 wert gelegt werden. Diese beschreibt den Grad der Zugänglichkeit, der gewährleistet sein muss, damit auch Rollstuhlfahrer und Menschen mit Behinderungen die Anlage problemlos nutzen können.

Modernisierungs- und Neuinstallationskosten für Aufzüge im Vergleich

Eine pauschale Aussage darüber zu treffen, wie viel der Neubau oder die Modernisierung einer Aufzuganlage kostet, ist nahezu unmöglich. Der Preis ist von unzähligen Faktoren abhängig:

  • Förderhöhe
  • Nennlast
  • Zusätzliche Ausstattung
  • Kabinengröße
  • Geschwindigkeit
  • Antriebsart
  • Ort der Installation

Zur Berechnung der genauen Kosten sollte ein Fachmann zu Rate gezogen werden, der alle Faktoren berücksichtigen und anschließend einen recht genauen Preis nennen kann. Dabei sollte beachtet werden, dass zu den reinen Materialkosten zusätzlich noch Kosten für die Installation und die anschließende Wartung und Reinigung hinzukommen. Sowohl Mieter als auch Vermieter sollten dabei beachten, dass sich eine Installation oder Modernisierung einer Aufzuganlage auf die Mietkosten niederschlagen kann.

Preise für das Nachrüsten eines Aufzugs zu vergleichen zahlt sich aus

Um beim Bau- oder Renovierungsvorhaben nicht zu viel bezahlen zu müssen, lohnt es sich, die Aufzugspreise verschiedener Anbieter zu vergleichen. In der Regel können diese auch individuelle Lösungen für Gebäude anbieten, die nur begrenzten Platz für einen Aufzug bereithalten. Nicht selten lohnt sich auch das Nachfragen nach gebrauchten Systemen. Diese sind deutlich günstiger als neue Anlagen und bieten dennoch ähnlich viel Sicherheit und Komfort, da sie vor dem Einbau komplett gewartet und generalüberholt wurden.