Geschichte des Aufzugs: Wer hat den Aufzug erfunden?
Den sicheren Personenaufzug hat Elisha Graves Otis erfunden: 1853 entwickelte er die Fangvorrichtung, die eine Kabine auffängt, wenn das Seil reißt. 1857 fuhr in New York der erste Personenaufzug. Den ersten elektrischen Aufzug stellte Werner von Siemens 1880 in Mannheim vor. Hebezeuge mit Seil und Rolle gab es allerdings schon in der Antike – erfunden hat den Aufzug also nicht einer allein.

Die Geschichte des Aufzugs auf einen Blick
Von der Seilwinde bis zum Aufzug ohne Maschinenraum: die wichtigsten Stationen in zeitlicher Folge. Hervorgehoben sind die Erfindungen, ohne die es keine Personenaufzüge gäbe.
- um 236v. Chr.Hebezeug des ArchimedesDer römische Baumeister Vitruv berichtet von einem Hebezeug mit Seilen und Rollen, das Archimedes gebaut haben soll.
- 1743Der „fliegende Stuhl“ in VersaillesAm Hof Ludwigs XV. entsteht ein Sitz, der mit Seil, Rolle und Gegengewicht zwischen zwei Geschossen fährt.
- 1853Otis erfindet die FangvorrichtungElisha Graves Otis verkauft seinen ersten Aufzug mit Sicherheitsbremse. Reißt das Seil, stoppt die Plattform.
- 1854Die Vorführung in New YorkAuf der Weltausstellung im Crystal Palace lässt Otis das Seil über sich kappen – die Plattform sackt nur wenige Zentimeter ab.
- 1857Der erste PersonenaufzugIm fünfgeschossigen Kaufhaus von E. V. Haughwout in New York fährt der erste Otis-Aufzug für Personen.
- 1861Das PatentOtis erhält im Januar das Patent auf seine Sicherheitsbremse und stirbt vier Monate später.
- 1876Der erste PaternosterIm General Post Office in London läuft ein Umlaufaufzug ohne Türen – zunächst für Pakete.
- 1880Der erste elektrische AufzugWerner von Siemens stellt im Juli in Mannheim einen Aufzug mit Elektromotor vor. Über 8.000 Menschen fahren mit.
- 1886Paternoster in HamburgIm Kontorhaus Dovenhof läuft der erste Paternoster außerhalb Großbritanniens.
- 1887Türen, die sich selbst schließenAlexander Miles erhält ein Patent auf einen Mechanismus, der Schacht- und Kabinentüren mit der Fahrt öffnet und schließt.
- 1903Getriebelose TreibscheibeOtis liefert getriebelose Treibscheibenantriebe für Hochhäuser in New York und Chicago.
- 1908Paternoster im FlüggerhausIn Hamburg baut Wimmel & Landgraf den Paternoster, der später als ältester vollständig erhaltener der Welt gilt. 2026 berichtet moderneREGIONAL, dass er bei Umbauarbeiten aus dem Gebäude verschwunden ist.
- 1931Empire State BuildingDas Hochhaus eröffnet mit 61 Personen- und 6 Lastenaufzügen von Otis.
- 1974Kein neuer Paternoster mehrIn der Bundesrepublik werden keine neuen Paternoster mehr gebaut.
- 1995Europäische AufzugsrichtlinieDie Richtlinie 95/16/EG legt einheitliche Sicherheitsanforderungen für neue Aufzüge in der EU fest.
- 1996Aufzug ohne MaschinenraumKONE bringt den MonoSpace auf den Markt: Antrieb im Schacht, kein eigener Maschinenraum mehr.
- 2000erFlachgurte statt StahlseileOtis führt den Gen2 ein, der an beschichteten Flachgurten statt an Stahlseilen hängt.
- 2014Neue AufzugsrichtlinieDie Richtlinie 2014/33/EU löst die Fassung von 1995 ab und gilt bis heute.
Vor Otis: Lasten heben mit Muskelkraft
Seile, Rollen und Winden nutzten schon die Baumeister der Antike, um Lasten zu heben. Der römische Architekt Vitruv beschreibt solche Hebezeuge und berichtet, dass Archimedes um 236 v. Chr. eines gebaut haben soll. Angetrieben wurden sie von Menschen, Tieren oder Wasserkraft. Für Personen waren sie nicht gedacht: Riss das Seil, stürzte die Last ab.
1743: Der „fliegende Stuhl“ im Schloss Versailles
Einer der ersten Aufzüge für Menschen entstand am französischen Hof. 1743 ließ sich die Herzogin von Châteauroux, Mätresse Ludwigs XV., in Versailles eine „chaise volante“ einbauen. Der Sitz fuhr in einem schmalen Schacht zwischen den Geschossen und wurde über Seil, Rolle und Gegengewicht von Hand bewegt. Später nutzte ihn Madame de Pompadour; 1754 wurde er abgebaut.

1853: Elisha Otis und die Fangvorrichtung
Das eigentliche Problem der frühen Aufzüge war nicht der Antrieb, sondern die Sicherheit. Elisha Graves Otis löste es 1853 mit einer Sicherheitsbremse, der Fangvorrichtung. Im selben Jahr verkaufte er seinen ersten Aufzug. Bekannt wurde die Erfindung durch eine Vorführung: 1854 ließ Otis auf der Weltausstellung im New Yorker Crystal Palace das Tragseil der Plattform kappen, auf der er selbst stand. Die Plattform sackte nur wenige Zentimeter ab und blieb hängen.
So funktioniert die Fangvorrichtung

- Das Seil hält die Feder gespanntSolange das Tragseil die Plattform hält, ist eine Blattfeder gebogen. Die Haken an ihren Enden bleiben von den Führungsschienen weg.
- Das Seil reißtFällt die Zugkraft weg, streckt sich die Feder schlagartig und drückt die Haken nach außen.
- Die Haken greifenDie Haken fassen in die Zähne der Führungsschienen links und rechts. Die Plattform bleibt nach kurzer Strecke stehen.
Das Prinzip steckt bis heute in jedem Aufzug: Moderne Fangvorrichtungen bremsen den Fahrkorb an den Führungsschienen ab, ausgelöst von einem Geschwindigkeitsbegrenzer, sobald er zu schnell wird.
1857: Der erste Personenaufzug in New York
Am 23. März 1857 eröffnete Eder V. Haughwout in New York ein fünfgeschossiges Kaufhaus am Broadway – mit dem ersten Otis-Aufzug für Personen. 1861 erhielt Otis das Patent auf seine Sicherheitsbremse und starb vier Monate später. Seine Söhne führten das Unternehmen weiter; aus der Werkstatt wurde einer der größten Aufzugshersteller der Welt.
1880: Werner von Siemens baut den ersten elektrischen Aufzug
Die frühen Personenaufzüge fuhren mit Dampf oder Wasserdruck. Den ersten Aufzug mit Elektromotor stellte Werner von Siemens im Juli 1880 auf der Pfalzgau-Ausstellung in Mannheim vor. Der Motor saß unter der offenen Plattform und zog sie über ein Zahnrad an einer Zahnstange im Turm nach oben.

Für Siemens war der Aufzug vor allem eine Vorführung seiner Elektromotoren. Der elektrische Antrieb setzte sich trotzdem durch und machte zusammen mit der Fangvorrichtung den Bau von Hochhäusern möglich.
Vom Kaufhaus zum Wolkenkratzer
1887 erhielt Alexander Miles ein Patent auf einen Mechanismus, der die Schacht- und Kabinentüren mit der Fahrt öffnete und schloss. Vorher mussten Fahrgäste oder ein Aufzugführer die Türen von Hand schließen. Ab 1903 lieferte Otis getriebelose Treibscheibenantriebe, die schnellere Fahrten in große Höhen erlaubten. 1931 eröffnete das Empire State Building mit 61 Personen- und 6 Lastenaufzügen.
Der Paternoster: Aufzug ohne Türen
Ein Paternoster ist ein Umlaufaufzug: Offene Kabinen hängen an einer Kette und fahren ohne Halt, auf der einen Seite aufwärts, auf der anderen abwärts. Man steigt während der Fahrt ein und aus. Der erste lief 1876 im General Post Office in London, zunächst für Pakete. 1886 folgte im Hamburger Kontorhaus Dovenhof der erste Paternoster außerhalb Großbritanniens.

In der Bundesrepublik werden seit 1974 keine neuen Paternoster mehr gebaut. Als die Betriebssicherheitsverordnung 2015 die Nutzung durch die Öffentlichkeit zunächst verbot, gab es Proteste; wenige Wochen später wurde die Regel wieder gelockert. 2018 waren in Deutschland noch rund 230 Paternoster in Betrieb.
Hamburg: der älteste Paternoster ist verschwunden
Als ältester vollständig erhaltener Paternoster der Welt galt der im Hamburger Flüggerhaus am Rödingsmarkt. Die Firma Wimmel & Landgraf hatte ihn 1908 gebaut; mehr als 40 Jahre lag er hinter Trockenbauwänden verborgen. 2018 wurde er wiederentdeckt und ab 2021 mit seinen 14 Holzkabinen restauriert. Ende April 2026 berichtete das Magazin moderneREGIONAL, dass der Paternoster bei Umbauarbeiten aus dem Gebäude verschwunden ist; die Bauarbeiten im Haus wurden gestoppt.
Wo man heute noch Paternoster fahren kann
Die meisten der verbliebenen Paternoster stehen in Behörden und Bürohäusern und sind für Besucher nicht freigegeben. Öffentlich fahren kann man nach den jüngsten Berichten unter anderem hier:
| Wo | Zugang | Stand |
|---|---|---|
| Stuttgart, Rathaus (Marktplatzflügel, seit 1956) | öffentlich: Mo.–Do. 8–17 Uhr, Fr. 8–15 Uhr | Aug. 2025 |
| Hamburg, Laeiszhof (Kontorhaus von 1898) | öffentlich zugänglich | Juli 2025 |
| Berlin, Bürohaus Franz-Mehring-Platz 1 und HTW, Ostendstraße 1 | öffentlich zugänglich | ohne Datum |
| Kiel, Landeshaus (seit 1950) | in Betrieb, für Besuchergruppen nicht freigegeben | Aug. 2025 |
| Berlin, Rathaus Schöneberg | seit Oktober 2017 außer Betrieb | ohne Datum |
Betrieb und Zugang ändern sich immer wieder. Wer eigens hinfahren möchte, fragt vorher beim Haus nach.
Woher der Name kommt
Paternoster heißt auf Latein „Vater unser“ – so beginnt das Gebet, das man mit dem Rosenkranz betet. Die Kabinen an der umlaufenden Kette erinnern an die Perlen eines Rosenkranzes.
Der Aufzug heute
Moderne Aufzüge brauchen oft keinen eigenen Maschinenraum mehr: Seit dem KONE MonoSpace von 1996 sitzt der Antrieb bei vielen Anlagen im Schacht. Otis hängt seine Kabinen seit den 2000er-Jahren beim Gen2 an beschichteten Flachgurten statt an Stahlseilen. Für alle neuen Aufzüge in der EU gelten seit 1995 einheitliche Sicherheitsregeln, heute die Aufzugsrichtlinie 2014/33/EU. In Deutschland prüft eine zugelassene Überwachungsstelle jede Anlage regelmäßig – mehr dazu unter Aufzug-TÜV-Prüfung.
Fangvorrichtung
Bremst den Fahrkorb an den Schienen ab, wenn er zu schnell wird – das Prinzip von Otis.
Automatische Türen
Die Kabine fährt erst, wenn alle Türen geschlossen sind – die Idee von 1887.
Notruf
Eingeschlossene erreichen über den Notrufknopf rund um die Uhr einen Notdienst.
Wer heute einen Aufzug plant, findet die Preise unter Aufzug Kosten, die Hersteller im Überblick unter Aufzugshersteller und alles zum nachträglichen Einbau unter Aufzug nachrüsten.
Häufige Fragen zur Geschichte des Aufzugs
Wer hat den Aufzug erfunden?
Den sicheren Personenaufzug hat Elisha Graves Otis erfunden: 1853 entwickelte er die Fangvorrichtung, 1857 fuhr der erste Personenaufzug in New York. Hebezeuge mit Seil und Rolle gab es schon in der Antike, den ersten elektrischen Aufzug baute Werner von Siemens 1880.
Wann wurde der erste Aufzug gebaut?
Hebezeuge für Lasten gab es schon in der Antike. Einer der ersten Aufzüge für Menschen war 1743 der „fliegende Stuhl“ in Versailles. Der erste Personenaufzug mit Fangvorrichtung fuhr 1857 in New York.
Wer hat den elektrischen Aufzug erfunden?
Werner von Siemens. Er stellte den ersten Aufzug mit Elektromotor im Juli 1880 auf der Pfalzgau-Ausstellung in Mannheim vor; mehr als 8.000 Menschen fuhren damit.
Wo fuhr der erste Personenaufzug?
Im fünfgeschossigen Kaufhaus von E. V. Haughwout am Broadway in New York. Der Otis-Aufzug ging am 23. März 1857 in Betrieb.
Seit wann gibt es Paternoster?
Seit 1876: Der erste lief im General Post Office in London. In Deutschland kam der erste 1886 in Hamburg in Betrieb. Neue Paternoster werden in der Bundesrepublik seit 1974 nicht mehr gebaut.
Wo kann man heute noch Paternoster fahren?
Öffentlich zugänglich sind nach jüngsten Berichten unter anderem die Paternoster im Stuttgarter Rathaus und im Hamburger Laeiszhof. Viele andere laufen noch, sind aber nur für Beschäftigte freigegeben. Vor einem Besuch beim Haus nachfragen.
Warum heißt der Paternoster so?
Paternoster bedeutet „Vater unser“. Die Kabinen an der umlaufenden Kette erinnern an die Perlen eines Rosenkranzes, an dem man dieses Gebet betet.
Quellen
Otis Elevator Company: Unternehmensgeschichte (1853, 1854, 1857, 1861, 1903, 1931, Gen2), otis.com. Kurpfälzer Meile der Innovationen: „1880 – erster Fahrstuhl präsentiert in Mannheim“ (Turmhöhe, Geschwindigkeit, Fahrpreis, Fahrgäste). Wikipedia: „Aufzugsanlage“ (Archimedes nach Vitruv) und „Paternosteraufzug“ (1876, 1886, 1974, 2015, Bestand 2018). Le Journal du Dimanche: „Quand la cour inspirait les sciences“ zur „chaise volante“ (1743–1754). U.S. Patent 371,207 vom 11. Oktober 1887 (Alexander Miles). Wiener Aufzug Museum: „Ein Paternoster wird wachgeküsst“ (04.08.2022) und moderneREGIONAL: „Pater noster gesucht“ (27.04.2026) zum Flüggerhaus. Kessel.TV (02.08.2025, Rathaus Stuttgart), StattReisen Hamburg (11.07.2025, Laeiszhof), Landtag Schleswig-Holstein (18.08.2025, Landeshaus Kiel), deutschlandmalanders.com (Paternoster in Berlin). EU-Richtlinien 95/16/EG und 2014/33/EU. KONE MonoSpace: Herstellerangaben. Abruf jeweils 08.10.2026.
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